Bildungsbüro Nürnberg – Bildungsblog

Bildungsbüro Nürnberg – Bildungsblog

Bildungsblog » Start » Weiterbildung » Corona treibt digitale Weiterbildung voran, doch nicht alle profitieren gleichermaßen

Corona treibt digitale Weiterbildung voran, doch nicht alle profitieren gleichermaßen

Beitrag vom 16. Jul 2021

Die berufliche Weiterbildung hat sich in den vergangenen Monaten tiefgreifend gewandelt. Präsenzveranstaltungen konnten aufgrund von Kontaktbeschränkungen nicht oder nur sehr eingeschränkt stattfinden. Vor der Corona-Pandemie waren Veranstaltungen in Präsenz die häufigste Form des beruflichen Lernens im Erwachsenenalter, zum Beispiel in Gestalt von Kursen, Lehrgängen oder Schulungen (Autorengruppe Bildungsberichterstattung 2020). Mit Beginn der Pandemie mussten viele beruflichen Weiterbildungen ausfallen, beispielsweise weil Lehrkräfte nicht zur Verfügung standen oder Beschäftigte aufgrund von Betreuungspflichten nicht an der Weiterbildung teilnehmen konnten. Auch finanzielle Erwägungen und verschlechterte Geschäftserwartungen führten in manchen Betrieben dazu, dass Qualifizierungen nicht wie geplant durchgeführt wurden (Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung 2020).

Bildungsungleichheit in der Nutzung der digitalen beruflichen Weiterbildung

Das Nationale Bildungspanel (NEPS) am Leibniz-Institut für Bildungsverläufe (LIfBi) befragte im Mai und Juni 2020 Arbeitnehmende, welche digitalen Lernangebote sie in den ersten Monaten der Pandemie aus beruflichen Gründen genutzt haben. Es zeigte sich, dass Beschäftigte mit einem (Fach-)Hochschulabschluss digitale Weiterbildung mit beruflichem Bezug sowohl vor (34 Prozent) als auch während der Pandemie (30 Prozent) besonders häufig nutzten. Demgegenüber nahmen Erwerbstätige ohne und mit einer beruflichen Ausbildung, digitale Lernangebote vor und während der Corona-Krise wesentlich seltener in Anspruch (Abbildung 1). Während der ersten Monate der Pandemie waren die Nutzungsquoten bei Befragten mit (Fach-)Hochschulabschluss oder mit beruflicher Ausbildung etwas niedriger als vor der Pandemie und stiegen bei Befragten ohne berufliche Ausbildung von 10 Prozent auf 18 Prozent sogar leicht an. Trotzdem waren die Veränderungen nicht groß genug, um bestehende Bildungsunterschiede abzubauen, so die NEPS-Studie.

Abbildung 1: Vergleich der Beteiligung an digitalem Lernen nach höchstem Bildungsabschluss zwischen 2019/2020 und den ersten Monaten der Corona-Krise

Quelle: Nationales Bildungspanel (NEPS).

Personen im Homeoffice nutzen digitale Weiterbildungsangebote häufiger

Noch deutlicher zeigte sich eine digitale Spaltung in den ersten Monaten der Pandemie zwischen Beschäftigten im Homeoffice und Beschäftigten ohne Homeoffice-Zugang. Schon vor der Pandemie nutzten erstere digitale Weiterbildungsangebote deutlich häufiger (34 Prozent gegenüber 16 Prozent). Seit Beginn der Pandemie nahm die Gruppe der Erwerbstätigen, die während der Krise von zuhause aus arbeiten konnten, digitale Lernangebote ähnlich häufig in Anspruch wie im gesamten Jahr zuvor. Umgekehrt lernten Personen, die nicht im Homeoffice arbeiten konnten, seither deutlich seltener digital (7 Prozent).

Digitale Lernangebote erreichen neue Beschäftigungsgruppen

Positive Entwicklungen zeigten sich insbesondere bei Beschäftigten in Berufen, die weniger stark durch Tätigkeiten im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnik geprägt sind. Erwerbstätige mit geringer Computernutzung nutzten digitale Lernangebote in den ersten Monaten der Pandemie etwas häufiger als in der Zeit davor. Die Autoren der NEPS-Studie schließen daraus, dass während der Pandemie neue Beschäftigungsgruppen von der Nutzung digitaler informeller Lernangebote profitieren konnten. Es könnte sich hierbei jedoch auch um einen kurzfristigen Effekt handeln, der auf das Erlernen des Umgangs mit neuen Arbeitstools wie Videokonferenzen oder Lernplattformen zurückgeführt werden kann. Weitere Analysen müssen zeigen, inwiefern sich soziale Unterschiede in der Nutzung der digitalen Angebote auflösen oder verfestigen.

„WeiterbildungJETZT!“ in Nürnberg

Mehr Homeoffice, weniger Präsenzveranstaltungen und die Umstellung auf Onlineformate machen in Zeiten der Pandemie neue Weiterbildungsformate notwendig. Gleichzeitig ändern sich vielerorts die Anforderungen an die Kompetenzen der Arbeitnehmenden. 36 Prozent der Arbeitsplätze werden sich innerhalb der nächsten 15 Jahre stark verändern. Zu diesen Ergebnissen kommt die aktuelle OECD-Studie „Weiterbildung in Deutschland“. Der beruflichen Weiterbildung kommt deswegen eine immer größere Bedeutung zu. Gleichzeitig bleibt zu befürchten, dass sich durch die Digitalisierung der Weiterbildungsangebote die Ungleichheiten im Zugang zu Weiterbildung verschärfen. Dieser Thematik widmet sich der runde Tisch „Beratung in beruflicher Weiterbildung und Qualifizierung“ in Nürnberg bereits seit längerem.

Angeregt durch die „Task Force Corona: Arbeitsmarkt und kommunale Handlungsoptionen“ im November 2020 koordinierte das Bildungsbüro in Nürnberg den Aufbau der Internetseite www.weiterbildung.nuernberg.de. Dort stellen sich kostenfreie und neutrale Beratungsstellen zur beruflichen Weiterbildung vor, die auch zu Förderangeboten Auskunft geben. Beworben wird diese Seite nun durch die breit angelegte Plakat- und Social-Media-Kampagne WeiterbildungJETZT! Gemeinsam rufen Stadt Nürnberg, IHK Nürnberg für Mittelfranken, Agentur für Arbeit Nürnberg, Jobcenter Nürnberg, Handwerkskammer für Mittelfranken und DGB Mittelfranken alle Nürnberger Bürgerinnen und Bürger dazu auf, gerade jetzt und trotz der Unsicherheiten durch die Corona-Pandemie auf berufliche Weiterbildung zu setzen.

Weitere Informationen zur Kampagne WeiterbildungJETZT! finden Sie unter www.weiterbildung.nuernberg.de.


Quellen:

Autorengruppe Bildungsberichterstattung (2020), Bildung in Deutschland 2020, abrufbar unter: https://www.bildungsbericht.de

Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, 2020, Weiterbildung in der Covid-19-Pandemie stellt viele Betriebe vor Schwierigkeiten. IAB-Forum, 9.12.2020, abrufbar unter: https://www.iab-forum.de/weiterbildung-in-der-covid-19-pandemie-stellt-viele-betriebe-vor-schwierigkeiten

NEPS Corona & Bildung, Bericht Nr. 7, 2021, Wer bildet sich in Pandemiezeiten weiter? Veränderungen in der Nutzung digitaler Lernangebote während der Corona-Krise, abrufbar unter: NEPS_Corona-und-Bildung_Bericht_7-Weiterbildung.pdf (lifbi.de)

OECD (2021), Getting Skills Right. Continuing Education and Training in Germany.


Titelbild, Foto WeiterbildungJETZT!: © Bildungsbüro/Stadt Nürnberg.

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren:

Eine demographische Chance

Neben interkulturellen Schulungen für Mitarbeitende der Kommunalverwaltung lebt das Projekt „IKÖK – interkulturelle Öffnung in Kommunen“ vom Austausch mit verschiedenen Stakeholdern wie Migrantenorganisationen, Wirtschafts- und Wohlfahrtsverbänden und städtischen...