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Deutsch lernen trotz Pandemie – Die Situation in den Sprachkursen des Bundes

Beitrag vom 11. Jan 2022

In allen Bildungsbereichen haben die Zeiten der Kontaktbeschränkungen tiefe Spuren hinterlassen, so auch in der beruflichen Weiterbildung. Für die Lernenden stellte die Verlagerung vieler Bildungsangebote ins Digitale oft eine große Herausforderung dar. Für Neuzugewanderte, die sich noch in Kursen zum Deutschspracherwerb befanden, erschwerten zudem sprachliche Barrieren und teilweise mangelnde Alphabetisierung (in lateinischer Schrift) eine Teilnahme an Online-Angeboten.

Auf diese Situation musste das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), das die Sprachprogramme des Bundes verantwortet, bereits im ersten Lockdown Mitte März 2020 ad hoc reagieren.

Da die Dauer der veränderten Rahmenbedingungen zunächst nicht absehbar war, wurden zunächst alle Kurse aufgrund Verordnungen und Allgemeinverfügungen der Länder für mehrere Wochen ausgesetzt. Nach Beendigung des ersten Lockdowns reagierte das Bundesamt dann schnell. Um den Sprachstand der Teilnehmenden zumindest zu erhalten, wurden Online-Tutorien auf einer Lernplattform bereitgestellt. Für die Kursträger wurde durch das Sozialdienstleister-Einsatzgesetz (Sozialschutzpaket der Bundesregierung) Überbrückungshilfe in Form monatlicher Zuschüsse geleistet.

Entstehung neuer Kursformate

Ab Mai 2020 konnten aufgrund erster Lockerungen die Kurse nach und nach wiederaufgenommen werden, ausschlaggebend für die Durchführungen waren allerdings die unterschiedlichen Hygienemaßnahmen in den Ländern. Ab Juli 2020 stand für das BAMF deswegen die Erhaltung der Flexibilität der Träger im Mittelpunkt, damit sie je nach örtlichen und firmenspezifischen Gegebenheiten den Kursbetrieb aufrechterhalten konnten. Die Sprachschulen hatten die Wahl, unterschiedliche Kursformate anzubieten: Präsenzunterricht, das sogenannte virtuelle Klassenzimmer (Online-Unterricht), Präsenzunterricht mit zugeschaltetem virtuellem Klassenzimmer, Präsenzunterricht mit Live-Übertragung in einen zweiten Kursraum sowie Präsenzunterricht mit einer Lehrkraft in zwei Kursräumen. Bei letztgenannter Kursform wechselt die Lehrkraft alle 45 bis 90 Minuten den Raum. Die Teilnehmenden können in Abwesenheit der Lehrkraft selbständig arbeiten oder dem Unterricht im anderen Raum digital folgen. Von den Lehrkräften erforderten die neuen Modelle eine hohe Flexibilität und Einsatzbereitschaft.

Viele Sprachschulen hatten keine Räumlichkeiten, die es ermöglichten die Abstandsregeln einzuhalten. Daher senkte das Bundesamt in einzelnen Kursformen, beispielsweise bei den Alphabetisierungskursen die Mindestteilnehmendenzahl bei Aufrechterhaltung der vollen Finanzierung. Gerade in den Anfängerkursen war es wichtig, weiterhin Präsenzkurse anzubieten, da hier für die Sprachlernenden die Hürden für eine Online-Teilnahme besonders hoch sind.

Rückgang der Teilnehmendenzahlen

Die Maßnahmen des Bundesamts und die Bemühungen der Sprachschulen waren insofern erfolgreich, dass bereits in den Monaten August bis November 2020 die Zahl der begonnenen und wiederaufgenommenen Kurse annähernd die Werte des Vorjahres erreicht hat. Im Dezember folgte allerdings der zweite Lockdown, der das Kursgeschehen erneut stark einschränkte.

Insgesamt kam es 2020 bundesweit zu einem Rückgang der Teilnehmendenberechtigungen zum Vorjahr um 30 % und der tatsächlichen Teilnahmen um 40 %. Bei den erreichten Sprachlernzielen hingegen stellte das BAMF keinen großen Einbruch fest. Von den Prüfungsteilnehmenden aus den allgemeinen Integrationskursen erreichten im Jahr 2020 62,5 % das Niveau B1 (2019 63,1 %). Auch der Anteil derjenigen, die entweder das Niveau B1 oder das Niveau A2 erreichten, bleib mit über 90 %; konstant. Die Ergebnisse bei den Alphakursen wichen ebenso wenig von denjenigen im Vorjahr ab: A2 erreichten im Jahr 2020 50,3 % der Testteilnehmenden, (2019 52,7 %), B1 13,4 % (2019 13,7%). Allerdings war die Zahl der Prüfungsteilnahmen im Jahr 2020 insgesamt wesentlich geringer als im Vorjahr (2019: 195.000, 2020: 123.000).

Situation in Nürnberg

Betrachtet man die Situation in Nürnberg, hat sich die Zahl der Integrationskursberechtigungen von 2019 auf 2020 von 2.799 auf nur noch 2.091 deutlich gesenkt. Auch die konkreten Teilnahmen haben abgenommen, von 2.221 im Jahr 2019 auf 1.308 im Jahr 2020, damit war der Rückgang der Teilnahmen stärker (um 2 %) als im Bundesdurchschnitt. Wurden 2019 noch 128 Kurse in den Nürnberger Sprachkursen begonnen, waren es 2020 nur noch 90 Kurse. Für das Jahr 2021 liegen noch keine Zahlen vor.

Abbildung 1: Integrationskursberechtigungen und neue Teilnahmen, 2019 und 2020

Quelle: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.

Insgesamt bieten derzeit in Nürnberg 21 Sprachschulen vom Bund finanzierte Integrationskurse und/oder Berufssprachkurse in den unterschiedlichen Formaten an. Nach wie vor braucht es ein großes Engagement der Schulen und insbesondere der Lehrkräfte, um einen reibungslosen Kursbetrieb aufrechtzuerhalten, da ständig neue Hygieneschutzmaßnahmen und Zugangsregelungen (von 3G über 3G+ zu 2G) beachtet und umgesetzt werden müssen.


Datenquelle: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.

Titelbild: © Anna Earl.

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