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Eine demographische Chance

Beitrag vom 2. Mrz 2022

Neben interkulturellen Schulungen für Mitarbeitende der Kommunalverwaltung lebt das Projekt „IKÖK – interkulturelle Öffnung in Kommunen“ vom Austausch mit verschiedenen Stakeholdern wie Migrantenorganisationen, Wirtschafts- und Wohlfahrtsverbänden und städtischen Beschäftigten und Personalverantwortlichen.

Im Dezember 2021 waren alle diese Gruppen zu einem ersten Aktionsabend eingeladen, um sich zu informieren und auszutauschen. Die mangelnde Repräsentanz von Menschen mit Migrationshintergrund in der öffentlichen Verwaltung war das Thema des Abends. Dr. Anne-Kathrin Will vom Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsstudien (DeZIM) referierte dazu über ihre aktuelle Studie „Ein Zeitfenster für Vielfalt – Chancen für die interkulturelle Öffnung in der Verwaltung“

In den kommenden anderthalb Jahrzehnten steht laut Studie im öffentlichen Dienst in der Bundesrepublik eine demographisch bedingte Verrentungs- bzw. Pensionierungswelle bevor (Abbildung 1). Der wachsende Personalbedarf auch in Führungspositionen, so Wills zentrale These, biete sich nun eine historische Chance, den öffentlichen Dienst personell vielfältiger aufzustellen – ein Zeitfenster für Vielfalt eben.

Abbildung: Baumann et al. (2019): Ein Zeitfenster für Vielfalt, Friedrich-Ebert-Stiftung, S. 7.

Unter den vom DeZIM untersuchten Kommunal-, Landes- und Bundesverwaltungen sei zwar die Zielsetzung sehr verbreitet, den Anteil des Personals mit Zuwanderungsgeschichte erhöhen zu wollen; ein zupackendes Bündel an Maßnahmen erwies sich jedoch eher als Ausnahme. Immerhin noch 14 von 20 untersuchten Verwaltungen verwendeten in Stellenausschreibungen eine sogenannte Ermutigungsklausel. Eine Zusammenarbeit mit externen Partnern wie Migrantenorganisationen nannten dagegen nur noch drei der 20. Und zwei gaben an, interkulturelle Schulungen für das Personal anzubieten.

In dieser Hinsicht ist die Stadt Nürnberg nun einen weiteren Schritt in Richtung interkultureller Öffnung gegangen. Seit Projektbeginn im November 2020 wurden durch IKÖK bisher 26 interkulturelle Schulungen mit 170[1] Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern durchgeführt – pandemiebedingt in den meisten Fällen digital.

Dass aber nichtsdestotrotz auch in Nürnberg noch ein weiter Weg zu gehen ist, darin waren sich alle an der Diskussion Beteiligten im Anschluss an Wills Vortrag einig. Um das Zeitfenster für Vielfalt zu nutzen, brauche es unter anderem eine entschlossene Personalpolitik. Aber auch ein fundiertes Monitoring sei nötig, um Fortschritte messbar zu machen.


[1] vereinzelte Mehrfachnennungen möglich

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