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OECD-Bericht „Bildung auf einen Blick 2021“ mit Corona-Sonderbroschüre veröffentlicht

Beitrag vom 7. Dez 2021

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die Kultusministerkonferenz (KMK) und das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) legten im September ihren aktuellen Bericht „Bildung auf einen Blick 2021“ vor. Darin werden jährlich die Bildungssysteme der 38 OECD- und weiterer Länder miteinander verglichen.

Im Bericht werden die bildungspolitischen Ziele der Agenda 2030 der Vereinten Nationen betrachtet, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung zu gewährleisten und Möglichkeiten lebenslangen Lernens für alle zu fördern. Erfasst wird dabei der gesamte Bildungsverlauf von der Elementarbildung in Kindergarten und Vorschule bis zur Weiterbildung bei Erwachsenen. Nachdem ein Schwerpunkt im letztjährigen OECD-Bericht die berufliche Bildung war, liegt im diesjährigen Bericht ein besonderes Augenmerk auf dem Thema Chancengerechtigkeit und den Auswirkungen der Corona-Pandemie im Bildungsbereich.

COVID-19: Erfahrungen aus 2020 und 2021

Der aktuelle OECD-Bericht enthält eine Sonderbroschüre „The State of Global Education – 18 Months into the Pandemic“, die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Bildungsbereich thematisiert. Weiterhin werden Maßnahmen analysiert, die in den OECD-Ländern umgesetzt wurden, um Bildungskontinuität und gleichberechtigtes Lernen während der Schulschließungen zu gewährleisten.

  • In Deutschland waren die Kindertageseinrichtungen (ISCED 02: 3-Jährige bis Schuleintritt) zwischen dem 1. Januar 2020 und dem 20. Mai 2021 im Durchschnitt 61 Tage vollständig geschlossen und damit über dem OECD-Durchschnitt von 55 Tagen. Zahlen zum Teilbetrieb an Kitas liegen nicht vor.
  • Seit März 2020 mussten 37 OECD-Staaten die Schulen für kurze oder längere Zeiträume komplett schließen. Dabei variierte die Anzahl der ausgefallenen Schultage erheblich. In  Deutschland waren die Grundschulen zwischen März 2020 und Mai 2021 an insgesamt 64 Tagen vollständig geschlossen, die weiterführenden Schulen im Sekundarbereich I an 85 Tagen und im allgemeinbildenden Sekundarbereich II an 83 Tagen – die Zahlen liegen im Durchschnittsbereich der OECD-Staaten (die Durchschnittswerte lagen bei 78, 92 bzw. 101 Tagen). Verglichen mit anderen Industrieländern fiel der Unterricht hierzulande seltener komplett aus. Homeschooling oder Wechselunterricht haben den Schulalltag in Deutschland von Januar 2020 bis Mai 2021 an weiteren 103 Tagen bestimmt, so der Bericht. Im gleichen Zeitraum lag der OECD-Durchschnitt bei 57 Tagen, der Regel-Schulbetrieb war somit länger beeinträchtigt als im Durchschnitt der OECD-Länder.
  • Insgesamt hatten am 1. Februar 2021 noch mehr als die Hälfte der dafür untersuchten 30 OECD-Staaten ihre Hochschulen komplett geschlossen, am 20. Mai 2021 (zu diesem Zeitpunkt endete die Analyse) galt dies nur noch in Deutschland und fünf weiteren OECD-Ländern. Allerdings gab es bei den Schließungen auch Ausnahmen. In Deutschland waren beispielsweise Laborübungen, Anfängerkurse oder auch Klausuren in Hybridformaten oder in Präsenz möglich, so die Autoren.
  • Aufgrund der Pandemie hat sich die wirtschaftliche Situation im Jahr 2020 in vielen Ländern, so auch in Deutschland, verschlechtert. Die Arbeitslosenquote bei jüngeren Erwachsenen (im Alter von 25 bis 34 Jahren) mit einem Bildungsstand unterhalb des Sekundarbereichs II betrug 2020 in Deutschland 12,1 % (2019: 11,9 %) und lag unter dem Durchschnitt des OECD-Raums (2020: 15,1%, 2019: 13,2%).
  • Trotz des Wirtschaftsrückgangs hat sich der Anteil der sog. NEETs („Not in Education, Employment or Training), also von Personen, die sich nicht in Ausbildung, Arbeit oder Weiterbildung befinden, im ersten Jahr der COVID-19-Pandemie in Deutschland nicht erheblich verändert, so die Autoren des Berichts. In Deutschland stieg der Anteil der NEETs in der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen von 8,2 % im Jahr 2019 auf 9,4 % im Jahr 2020 und liegt unter dem OECD-Durchschnitt von 14,4 % (2019) bzw. 16,1 %. (2020).

Luft nach oben bei der Bildungsgerechtigkeit

Die Auswirkungen der Pandemie und der Schulschließungen auf die Bildungsgerechtigkeit seien Grund zur Sorge, so die OECD. So mahnt der Bericht weitere Anstrengungen zu mehr Chancengerechtigkeit in Deutschland an. Bildungserfolg hänge hierzulande immer noch stark von der Herkunft ab. Benachteiligte Schülerinnen und Schüler hatten am ehesten Schwierigkeiten mit Distanzunterricht und besitzen ein höheres Risiko, bei längeren Schulschließungen das Interesse an Bildung zu verlieren.

Um die Bildung von Kinder und Jugendlichen zu unterstützen, die während der Pandemie besonders gefährdet sein könnten, wurden verschiedene Programme von Bund und Ländern aufgelegt. Darunter fällt z.B. der „DigitalpaktSchule“ zum Ausbau der digitalen Infrastruktur an Schulen, die Initiative „Schule macht stark“ zur Unterstützung von Schulen in sozial schwierigen Lagen oder das Programm „gemeinsam.Brücken.bauen“ in Bayern mit den Schwerpunkten Lernförderung und Sozialkompetenzförderung.


Quellen:

Bundesministerium für Bildung und Forschung, Kultusministerkonferenz (2021): Bildung auf einen Blick 2021 – Zentrale Ergebnisse im Überblick: https://www.bmbf.de/bmbf/de/bildung/bildungsforschung/internationale-vergleichsstudien/bildung-auf-einen-blick-oecd-bericht/bildung-auf-einen-blick-ein-bericht-der-oecd.html

OECD (2021), Bildung auf einen Blick 2021: https://www.oecd.org/publications/bildung-auf-einen-blick-19991509.htm

OECD (2021), “Deutschland”, in Education at a Glance 2021: OECD Indicators, OECD Publishing.

OECD (2021), The State of Global Education: 18 Months into the Pandemic: https://www.oecd-ilibrary.org/education/the-state-of-global-education_1a23bb23-en

Titelbild: © OECD 2021, Bildausschnitt.

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