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Situation am Nürnberger Ausbildungsmarkt im „Corona-Jahr“ 2020

Beitrag vom 23. Jun 2021

Die Situation am Nürnberger Ausbildungsmarkt stellt sich grundsätzlich positiv dar: Rechnerisch standen auch im „Corona-Jahr“ 2020, d.h. zum Stichtag des 30.09.2020, mehr Ausbildungsplätze zur Verfügung als von Bewerberinnen und Bewerbern nachgefragt wurden. Doch auch wenn Angebot und Nachfrage auf dem Nürnberger Ausbildungsmarkt immer noch relativ ausgeglichen sind und Nürnberg vorerst kaum unter demografischen Rückgängen in der Altersgruppe leidet, zeigen sich im Ausbildungsmarkt vor und während der Pandemie Entwicklungen, die im Moment Anlass zur Besorgnis geben und daher im Folgenden kurz beleuchtet werden sollen.  

Weniger unbesetzte Ausbildungsstellen als im Vorjahr

Für das Ausbildungsjahr 2020/21 wurden rund 20% weniger Ausbildungsplätze gemeldet als im Vorjahr, während die Zahl der Bewerber/-innen sogar marginal anstieg (+0,4%). Im September 2020 waren in der Stadt Nürnberg 4.057 Ausbildungsstellen bei der Agentur für Arbeit gemeldet, davon waren 482 unbesetzt. Ein Jahr zuvor waren 563 der 5.067 gemeldeten Ausbildungsstellen unbesetzt, d.h. es kam zu einem Rückgang unbesetzter Ausbildungsstellen von 14,4%. Unbesetzte Ausbildungsplätze waren dabei insbesondere in den Branchen „Gastronomie“ sowie in den Handwerksberufen der Branche „Sanitär/Heizung/Klima“ zu verzeichnen. Dabei handelt es sich um zwei Branchen, die von der Pandemie ganz unterschiedlich betroffen waren und sind. Während das baunahe Handwerk einen Aufschwung erlebte, sind die negativen Folgen für die Gastronomie bis heute nicht vollständig absehbar (Quelle: Bundesagentur für Arbeit). Diese Entwicklung weicht dabei vom bundesweiten Trend ab, bei dem die Anzahl der unbesetzten Ausbildungsstellen im gleichen Zeitraum um 20 Prozent gestiegen war (Quelle: Bundesagentur für Arbeit, November 2020).

Weiterhin Passungsprobleme am Ausbildungsmarkt

3.457 Bewerberinnen und Bewerber waren im September 2020 in der Stadt Nürnberg bei der Agentur für Arbeit gemeldet, von ihnen konnten 42,9% eine Ausbildung aufnehmen (der bundesweite Durchschnitt lag bei 46,0%). Insgesamt 357 Bewerber/-innen entschieden sich für eine „Alternative“ (Abbildung 1), z.B. für den Besuch einer weiterführenden Schule (180 Personen) oder eine berufsvorbereitende Maßnahme (56 Personen).

Es bestehen jedoch weiterhin Passungsprobleme am Nürnberger Ausbildungsmarkt, das sogenannte „Mismatch“: Während einerseits Betriebe ihre Ausbildungsstellen nicht besetzen können, sind andererseits zahlreiche junge Menschen „unversorgt“ (Abbildung 1). Gründe hierfür können darin liegen, dass Berufswünsche der Bewerberinnen und Bewerbern nicht zur angebotenen Ausbildungsstelle passen oder die Schulnoten nicht den betrieblichen Ansprüchen entsprechen. So waren zum 30.09.2020 159 „unversorgte“ Jugendliche gemeldet; das sind 38 Personen mehr als im Vorjahr.

Abbildung 1: Bewerber/-innen (mit Alternative oder unversorgt) sowie unbesetzte Ausbildungsstellen, 2018 bis 2020

Anmerkung: Stand jeweils 30.9.
Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Berufsausbildungsstellen und Bewerber für Berufsausbildungsstellen, September 2020.

Die genannten Entwicklungen werden durch die Konsequenzen der Corona-Krise tendenziell eher verschärft (vgl. z.B. Burkard 2020). Alle Akteurinnen und Akteure des Übergangsmanagements in Nürnberg berichten übereinstimmend davon, dass der Kontakt zu zahlreichen jungen Menschen zeitweise unter- oder sogar abgebrochen war. Fachkräfte befürchten, dass insbesondere Jugendliche in prekären Lebenslagen nicht mehr erreicht und damit Entkopplungsprozesse verstärkt werden.

Normalisierung im kommenden Ausbildungsjahr?

Für die Stadt Nürnberg weist die Agentur für Arbeit zum Stand Mai 2021 mit 3.270 gemeldeten Ausbildungsstellen im Vergleich Vorjahr (Mai 2020) einen Rückgang von 10,0 % aus. Der Rückgang bei den gemeldeten Bewerber/-innen (2.464) fällt mit einem Minus von 13,2 % noch stärker aus.
Die größten Einbußen hinsichtlich des Ausbildungsplatzangebots sind dabei vor allem in den Bereichen Tourismus, Hotellerie und Gastronomie zu verzeichnen (Quelle: Bundesagentur für Arbeit), d.h. in Branchen die die Einschränkungen in der Folge der Pandemie besonders getroffen haben. Der bisherige Trend im Jahr 2021 gibt allerdings Hoffnung auf eine weiter positive Entwicklung in den nächsten Monaten, auch wenn angenommen werden muss, dass nach 15 Monaten Einschränkungen durch die Pandemie das Vorjahresniveau des Ausbildungsplatzangebots nicht wieder erreicht werden kann. Besonders wichtig ist jetzt die aktive Ansprache junger Menschen, um sie zu Bewerbungen in den Branchen mit ausreichendem Ausbildungsplatzangebot zu motivieren.

#AusbildungJETZT! – Digitale Sprechstunden für interessierte Jugendliche rund ums Thema Ausbildung

Viele aktuelle Schülerabgängerinnen und –abgänger sind in ihrem Bewerbungsverhalten immer noch sehr zögerlich. Nicht zuletzt, weil ihre berufliche Orientierung im letzten Jahr jäh unterbrochen wurde und sie z.B. keine Praktika oder Praxistage absolvieren und erleben durften. 

Dabei sind es gerade die Einblicke in die Berufspraxis und Gespräche mit anderen Jugendlichen, die sich bereits in einer Ausbildung befinden, welche Schulabgängerinnen und Schulabgängern bei der Berufswahl besonders weiterhelfen. Um junge Nürnbergerinnen und Nürnberger, die noch unsicher sind, wie es für sie nach der Schule weitergehen kann, zu unterstützen, bieten aktuell zahlreiche Betriebe in Nürnberg digitale Sprechstunden an. In diesen können Jugendliche – mit oder ohne Begleitung durch Eltern bzw. Berater/-innen – mit Auszubildenden und Ausbilder/-innen von Betrieben in Kontakt kommen, die Auszubildende suchen. Auf der Website www.ausbildungjetzt.de, die auf die Initiative der IHK Nürnberg für Mittelfranken in der Task Force Corona des Oberbürgermeisters zurückgeht, finden Multiplikatorinnen und Multiplikatoren  –  wie Lehrkräfte oder Beratungsfachkräfte  –  eine Übersicht zu den angebotenen Sprechstunden.


Quellen:

Bundesagentur für Arbeit: Situation am Ausbildungsmarkt, Berichte Blickpunkt Arbeitsmarkt, November 2020.

Bundesagentur für Arbeit, Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Der Ausbildungsmarkt – Kreis Stadt Nürnberg, 2021.

Burkard, Claudia, 2020: Jugendliche fördern, Betriebe entlasten, Wirtschaft stärken August 2020; online abrufbar unter: www.chance-ausbildung.de/pb012020

Stadt Nürnberg, Bürgermeisteramt/Bildungsbüro, Übergang Schule – Beruf: Bericht zu aktuellen Entwicklungen in Nürnberg, Vorlage zur Sitzung des gemeinsamen Jugendhilfe- und Schulausschusses vom 17.6.2021. Der Bericht kann hier online abgerufen werden.


Titelbild: © Maja Fischer.

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