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SCHLAUe Maßnahmen in Krisenzeiten – Begleitung von Schüler/-innen im Übergang

Beitrag vom 27. Okt 2021

Das Jahr 2020 war geprägt von Einschränkungen und von der Notwendigkeit sich immer wieder auf neue Rahmenbedingungen einstellen zu müssen. Dies betraf v.a. auch den Bereich des Nürnberger Übergangsmanagements, in dem Angebote zur Unterstützung junger Menschen beim wichtigen Schritt von der Schule in eine berufliche Ausbildung zusammengefasst sind.

Mit den ersten Schulschließungen und der Einstellung fast aller Beratungsangebote im März 2021 fielen die bisherigen Kontaktmöglichkeiten und Zugänge abrupt weg. Betriebspraktika konnten kaum mehr stattfinden, Unterstützungsaktionen wie z.B. Berufsmessen fielen aus, der Bewerbungsprozess verzögerte sich in vielen Firmen. Diese Einschränkungen stellen auch SCHLAU Übergangsmanagement – als Abteilung angesiedelt im Amt für Berufliche Schulen der Stadt Nürnberg – vor große Herausforderungen.

Begleitung von Jugendlichen bei der beruflichen Orientierung

SCHLAU Mittelschule ist ein Angebot für Mittelschülerinnen und Mittelschüler in den Abgangsklassen. (Daneben gibt es auch SCHLAU-Angebote für Schüler/-innen der beruflichen Schulen, Angebote für junge Menschen mit Fluchthintergrund sowie ein Angebot zur vertieften Berufsorientierung an zwei Nürnberger Mittelschulen.) Im Mittelpunkt aller SCHLAU-Angebote steht die Begleitung der Jugendlichen im komplexen Prozess der Berufsorientierung und der Bewerbung. Feste Ansprechpartnerinnen stehen dabei den Schüler/-innen mit Rat und Tat zur Seite und gehen individuell und gezielt auf die Wünsche und Ziele der Schüler/-innen ein, die oft noch „keinen Plan“ hinsichtlich ihres konkreten Berufswegs haben.

Eingliederungsquoten zeigen den Erfolg der Begleitung

Die sog. Eingliederungsquoten, das ist der Anteil der betreuten Schüler/-innen, die im Anschluss an die Schule in eine duale oder vollschulische Ausbildung einmünden, zeigen den Erfolg der Begleitung, die auf vertrauensvolle, wertschätzende Unterstützung der jungen Menschen setzt. Auch im ersten „Corona-Schuljahr“ 20219/20 sind 35,3% der SCHLAU-Teilnehmenden in duale Ausbildungen und 12,5% in vollschulische Ausbildungsgänge eingemündet, was einen geringen Rückgang zum Vorjahr (39,1% duale, 15,4% vollschulische Ausbildung) darstellt (Quelle: SCHLAU Tätigkeitsbericht 2019/20). Während der Anteil der SCHLAU-Schüler/-innen, die die Abschlussklasse wiederholten, um 3,4 Prozentpunkte auf 8,8% stieg, sank der Anteil derjenigen, die im Anschluss eine weiterführende Schule besuchten von 25,8 auf 19,4%. 6,7% der Teilnehmer/-innen und damit 5,9 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr waren am Ende des Schuljahres noch „arbeits- bzw. ausbildungssuchend“. Noch deutlicher sprechen die Zahlen der Eingliederungsquote im Angebot „IBOS – Intensivierte Berufsorientierung an Schulen“, in dem die SCHLAU-Mitarbeiterinnen räumlich direkt an den Schulen angesiedelt sind und in enger Kooperation mit den Klassenleiter/-innen die BO-Aktivitäten in den Projektklassen steuern und anleiten: mit 47,7% mündete fast die Hälfte der Projektteilnehmer direkt in eine duale Berufsausbildung ein. Weitere 11,9% nahmen eine (berufs-)schulische Ausbildung auf (im Vergleich zu 2018 vor Corona: 47,2% dual, 22,2% vollschulische Berufsausbildung). 7,1% besuchten eine weiterführende Schule (22,2% in 2018) und 11,9% wiederholten die 9. Jahrgangsstufe (8,4% in 2018).

Flexible Lösungen in besonderen Beratungssituationen

Mit den Einschränkungen der Pandemie wurden in allen Beratungsangeboten wichtige Entwicklungsaufgaben für die Schülerinnen und  Schüler ganz besonders deutlich:

  • Digitale Grundbildung: digitale Kommunikation, Erstellung von Bewerbungsunterlagen; erschwert durch die oft unzureichende Ausstattung mit Endgeräten bzw. Netzanbindung
  • (Weiter-) Entwicklung von Fähigkeiten  wie „Durchhaltevermögen“ / „Geduld“ und „Selbstmotivation“  

„Für unsere Schüler/-innen war es im vergangenen Jahr besonders schwer, sich neben all den großen Herausforderungen durch den Lockdown und die damit verbundenen Schulschließungen auch noch auf ihre individuelle Berufswegeplanung einzulassen. Ein hohes Maß aus Unsicherheiten sowohl seitens der Schüler/-innen und ihren Familien als auch betrieblicherseits verzögerten oder verhinderten vermehrt den gelingenden Übergang ins Ausbildungssystem.“

Ulrike Luber, SCHLAU/IBOS

Nicht nur die Schüler/-innen, auch die Berater/-innen brauchten Geduld und Flexibilität, um neue Formen der Beratung zu entwickeln und mit den Jugendlichen auszuprobieren.

Besonders wichtig war hierbei

  • den durchgängigen persönliche Kontakt nicht zu verlieren – weder zu den Schülern, noch zu den Schulen, zu den Familien und auch zu den Betrieben und Unternehmen
  • die jungen Menschen dort anzutreffen und abzuholen, wo sie gerade aktiv eingebunden sind: „Der Lebensraum Schule arbeitet mit MS Teams – SCHLAU dann eben auch!“
  • die Angebote spontan und flexibel den aktuellen Auflagen und wirtschaftlichen Gegebenheiten anzupassen: „reale Betriebserkundungen gehen nicht? Na, dann eben virtuell!“ oder auch „Wir dürfen nicht ins Büro? Na, dann beraten wir eben virtuell vom Sofa aus!“

Die Mitarbeiter/-innen wollen sich dies auch erhalten:

  • Weiterhin die Möglichkeit des „hybriden“ Beratens anzubieten (Wahlmöglichkeiten zwischen persönlicher und virtueller Beratung)
  • Virtuelle Kontaktaufnahme und Austausch zwischen Schülern und Arbeitswelt bleibt auch weiterhin eine sinnvolle, ergänzende Alternative;
  • BO-Angebote externer Kooperationspartner werden nach Absprache auch weiterhin virtuell genutzt


Titelbild: © Bildungsbüro/Stadt Nürnberg.

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