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Homeschooling in Nürnberg

Beitrag vom 21. Mai 2021

Infolge der pandemiebedingten Schulschließungen ab Mitte März 2020 mussten Kinder und Jugendliche in Deutschland zu Hause lernen. Die Herausforderungen, die sich dabei quasi über Nacht für viele Eltern ergaben, waren vielfältig: Lernumgebung, digitale Geräte, Lehrmethoden, Lernrhythmus etc. Viele Eltern bewerkstelligten das Homeschooling mit den Kindern, während sie im Homeoffice waren, denn nur wenige konnten die Notbetreuung einer Kita oder Schule in Anspruch nehmen.

In einer Erhebung des Nürnberger Amtes für Stadtforschung und Statistik wurden Eltern mit schulpflichtigen Kindern zwischen Ende September und Ende November 2020 befragt, welche Voraussetzungen während der Zeit des Homeschoolings bei ihnen gegeben waren und wie sie die Umsetzung einschätzten. Die Befragungsergebnisse beziehen sich dabei auf die ersten Monate der Schulschließungen, in denen viele Schulen sich neu organisieren mussten und der Zugang zur Notbetreuung noch stärker eingeschränkt war.

Unterstützung bei den Schulaufgaben fehlte häufig

Mehr als drei Viertel der Kinder hatten einen Internetzugang, die entsprechende Hardware (z.B. Computer, Tablet) und einen eigenen Schreibtisch (Abbildung 1). Ein eigenes Zimmer oder ein ruhiger Platz zum Lernen stand mehr als zwei Drittel der Kinder im Homeschooling zur Verfügung. Nur etwa die Hälfte der Befragten gab an, dass es im Haushalt eine Person gebe, die bei den Schulaufgaben bei Bedarf unterstützen kann. Dieser Befund verdeutlicht, wie wichtig der Präsenzunterricht in Schulen ist, insbesondere für Kinder, die bereits vor der Corona-Pandemie benachteiligt waren.

Abbildung 1: Voraussetzungen des Homeschoolings (in % der Befragten mit Kindern im schulpflichtigen Alter)

Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth, 16.12.20, „Es geht schon so, man gewöhnt sich daran.“ Bürgerumfrage 2020 – Wie die Corona-Pandemie unser Leben verändert hat (M514).

Kommunikation mit der Schule und Unterstützung durch Lehrkräfte

Darüber hinaus äußerten sich die Befragten zu verschiedenen Aspekten, die mit dem Homeschooling zusammenhängen (Abbildung 2). Die Kommunikation mit der Schule (48%) und die Unterstützung bei der Bearbeitung der Aufgaben durch Lehrkräfte (52 %) empfanden etwa die Hälfte der Befragten als „zu wenig“, 46% bzw. 42 % schätzten diese als „passend“ ein. Die digitale Bereitstellung von Lernmaterial wurde von 47 % als „zu wenig“ bewertet.

Etwa die Hälfte der Befragten bezeichnete die Häufigkeit der Aufgabenbereitstellung (59 %), den Schwierigkeitsgrad der Aufgabe (49%) sowie die Menge der Aufgaben (49%) als „passend“.  Dass die Aufgaben „zu viel“ gewesen wären, gab ein Viertel der Befragten an. Im Gegensatz dazu fand etwa jede/r Fünfte die Menge der gestellten Aufgaben „zu gering“, die Aufgaben zu wenig herausfordernd oder er/sie hätte sich eine häufigere Aufgabenstellung gewünscht. Etwa jede/r Dritte war der Meinung, dass zu wenig neuer Lernstoff zur Verfügung gestellt wurde.

Abbildung 2: Aspekte des Homeschoolings (in % der Befragten mit schulpflichtigen Kindern)

Anmerkung: Mehrfachantworten möglich; Die Angaben beziehen sich auf das älteste schulpflichtige Kind.
Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth, 16.12.20, „Es geht schon so, man gewöhnt sich daran.“ Bürgerumfrage 2020 – Wie die Corona-Pandemie unser Leben verändert hat (M514).

Schulschließungen können dazu führen, dass sich Bildungsungleichheiten noch weiter verstärken

Wie die Befunde gezeigt haben, waren die Voraussetzungen für Homeschooling zwar bei vielen Familien gegeben, jedoch bei Weitem nicht bei allen. Kinder und Jugendliche, die weniger Förderung und Unterstützung erhalten, laufen hierbei Gefahr, noch weiter abgehängt zu werden. Diese Erkenntnis ist nicht neu, spätestens seit dem ersten Lockdown mahnen Bildungsforschende, Kinderärztinnen und -ärzte sowie weitere Fachleute vor den Folgen. So empfiehlt Prof. Dr. Kai Maaz, geschäftsführender Direktor des Leibniz-Instituts für Bildungsforschung und Bildungsinformation (DIPF), verschiedene relativ kurzfristig umsetzbare Maßnahmen, mit denen sich Bildungsungleichheiten zumindest nicht weiter vergrößern. Wichtig seien beispielsweise feste Ansprechpersonen, die mindestens einmal pro Woche persönlichen Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern halten. Die Erfassung der individuellen Lernstände sei die Basis für eine fundierte Förderung und Planung der Lernprozesse. Erst dann könnten entsprechende Förderangebote im Schulunterricht und darüber hinaus gemacht werden. Flächendeckende Konzepte der Ganztagsbildung, aber auch klare und nachvollziehbare Informationen für Eltern und Familien sind weitere wichtige Bausteine zur Herstellung von mehr Bildungsgerechtigkeit.


Quellen:

Der Spiegel, Was wir jetzt für mehr Chancengleichheit tun müssten, 22.1.2021, https://www.spiegel.de/panorama/bildung/corona-und-schulen-was-wir-jetzt-fuer-mehr-chancengleichheit-tun-muessten-a-b25b96c8-b408-40b3-a526-4fb4fc3ed855

Stadt Nürnberg, Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth, 16.12.20, „Es geht schon so, man gewöhnt sich daran.“ Bürgerumfrage 2020 – Wie die Corona-Pandemie unser Leben verändert hat (M514), abrufbar unter: https://www.nuernberg.de/imperia/md/statistik/dokumente/veroeffentlichungen/berichte/monatsberichte/m514.pdf.

Stadt Nürnberg, Bürgermeisteramt – Bildungsbüro, Bildung im Blick Nr. 19, Dezember 2020, Bildungsprozesse und Tendenzen im „Corona-Jahr“ 2020. Eine Videoaufzeichnung des Vortrags von Prof. Dr. Kai Maaz während der 12. Nürnberger Bildungskonferenz ist hier abrufbar.


Titelbild: © Bildungsbüro/Stadt Nürnberg.

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