Bildungsbüro Nürnberg – Bildungsblog

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Positive Lernerfahrungen und Erfolgserlebnisse fördern

Beitrag vom 29. Apr 2021

DEGRIN – Begegnung in Bildung und Vielfalt e.V. fördert seit 1977 die Integration und gleichberechtigte Teilhabe von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Zuwanderungsgeschichte. Es bietet eine breite Palette von Bildungs- und Begegnungsangeboten, wie Kinderhort, Schülertreff, Bildungspatenschaften und Sprachkurse. Dabei wird das pädagogische Team von engagierten Ehrenamtlichen unterstützt.

Wir haben die pädagogische Gesamtleitung Jana Michel gefragt, wie die Bildungsarbeit auch in Zeiten von Homeschooling und Kontaktverboten gelingt.

Frau Michel, wo sehen Sie die großen Herausforderungen, die Wechsel- und Distanzunterricht mit sich bringen?

Durch Homeschooling entstehen bei vielen Kindern zunehmend Wissenslücken. Wenn zum Beispiel die Eltern nicht die erforderlichen Sprachkenntnisse oder zeitliche Ressourcen haben, können sie zuhause kaum unterstützen. Zudem fehlen in den Familien oft die technischen Möglichkeiten und Rückzugsräume, damit die Kinder am Unterricht teilnehmen und in Ruhe lernen können.

Wie reagiert DEGRIN mit seiner Bildungsarbeit auf diese Situation?

Einige Kinder und Jugendliche aus unserem Hort und Schülertreff, Jahrgangsstufen 1 bis 7, sind in hohem Maße betroffen. Deswegen kümmern sich die Erzieher*innen aus Hort und Schülertreff, neben den Kindern, die unsere Notbetreuung in Anspruch nehmen, auch um die Kinder, die Distanzunterricht haben und uns momentan nicht besuchen dürfen. So haben unsere Erzieher*innen eine zusätzliche Hausaufgabenbetreuung per Telefon und Videokonferenz gestartet. Die ganze Woche über ist täglich ein*e Erzieher*in für die Hausaufgabenbetreuung der Kinder und Jugendlichen, die zuhause sind, zuständig. Er/sie arbeitet eng mit Lehrer*innen aus der Knauer-Grundschule und den weiterführenden Schulen der Größeren zusammen. Die Klassenlehrer*innen schicken uns am Anfang der Woche per Mail die Wochenpläne mit den Aufgaben für die Schüler*innen. Die Fachkräfte können damit die Kinder und Jugendlichen individuell begleiten. Auch einige Ehrenamtliche, die aufgrund des Lockdowns ebenfalls nicht unsere Einrichtungen besuchen können, wollen die Online-Hausaufgabenbetreuung unterstützen.

Neben den Kindern und Jugendlichen, die bei DEGRIN in Hort und Schülertreff angemeldet sind, bietet DEGRIN auch Unterstützung für Andere im Stadtteil.

Ja, für Kinder und Jugendliche in den Stadtteilen Gostenhof und St. Leonhard haben wir in Zusammenarbeit mit dem Sozialamt der Stadt Nürnberg die „DEGRIN Nachhilfe“ ins Leben gerufen. Durch eine 1:1 Betreuung werden die Schüler*innen intensiv und individuell digital begleitet und motiviert. Familien, denen die notwendige Ausstattung fehlt, stellen wir Tablets oder Laptops als Leihgeräte zur Verfügung. Das Angebot richtet sich an Schüler*innen der Jahrgangsstufen 1 bis 4 aus der Grundschule Knauerschule und den Mittelschulen Carl-von-Ossietzky, St. Leonhard und Johann-Daniel-Preißler in den Jahrgangsstufen 5 bis 7. Dabei legen wir großen Wert auf einen regelmäßigen, offenen und ehrlichen Kontakt und Austausch zwischen Eltern, Lehrer*innen, Schüler*innen und den Mitarbeiter*innen der DEGRIN Nachhilfe.

Wie können wir uns die „DEGRIN Nachhilfe“ konkret vorstellen?

Wichtig ist zunächst der Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung zwischen Nachhilfelehrer*in und Schüler*in, um ein positives Lernklima zu schaffen. Gemeinsam werden Wissenslücken in vergangenem und aktuellem Unterrichtsstoff identifiziert und aufgearbeitet und Grundlagenwissen aufgebaut. Dabei wird gezielt die Eigenaktivität und Lernmotivation der Schüler*innen durch positive Lernerfahrungen und Erfolgserlebnisse gefördert. Wir unterstützen auch bei der Vorbereitung auf Schulaufgaben und vermitteln Lerntechniken. Es nehmen auch einige Kinder an dem Angebot teil, die unseren Hort und Schülertreff besuchen. Unsere Erzieher*innen fungieren als Bindeglied zwischen Schule und Nachhilfelehrer*innen. Wissenslücken und Stärken der Kinder und Jugendlichen werden regelmäßig gemeinsam besprochen. Wir hoffen natürlich, dass die Corona-Zahlen es bald zulassen, dass wir die Nachhilfe auch wieder in Präsenz anbieten dürfen. Damit die Kinder und Jugendlichen in den Austausch mit Gleichaltrigen gehen können, bieten wir dann auch Gruppenarbeiten an.

Wie viele Kinder und Jugendliche nutzen derzeit die Angebote der DEGRIN? Sehen sie schon erste Erfolgserlebnisse Ihrer (digitalen) Arbeit?

Im Moment sind zehn Schüler*innen angemeldet mit insgesamt bis zu sechs Wochenstunden in drei verschiedenen Fächern – Deutsch, Mathematik und Englisch bzw. Heimat- und Sachunterricht.
Wichtig für die Kinder und Jugendlichen ist es im Moment vor allem noch eine/n weiteren Ansprechpartner*in außer den Lehrer*innen zu haben. Über die Wochen bauen die Schüler*innen ein Vertrauensverhältnis zu den Nachhilfelehrer*innen auf, welches wichtig für die Zusammenarbeit ist. Es wurden schon viele Wissenslücken geschlossen, fehlende Grundlagen gelegt und auch bereits bessere Noten erzielt.

DEGRIN hat ja auch viele Angebote für ältere Jugendliche und Erwachsene, wie zum Beispiel das Projekt für Gleichberechtigung „HEROES“ oder Sprach- und Konversationskurse. Konntet Ihr diese auch ins Digitale verlegen?

Bei HEROES finden die Gruppenstunden online statt und es wird auch per Telefon oder Videokonferenz mit den Jugendlichen einzeln kommuniziert. Enger Kontakt und eine gute Vertrauensbasis zwischen den Teilnehmern und den Gruppenleitern sind sehr wichtige Bausteine in diesem Projekt. Die Workshops an Schulen online durchzuführen ist leider nicht möglich.

Aufgrund der Niederschwelligkeit unserer Deutsch- und Konversationskurse ist es problematisch diese online durchzuführen. Viele unserer Besucher*innen haben nur ein Handy und kein Tablet oder Laptop um online zu gehen und haben nur einen Mobilfunkvertrag und keinen zusätzlichen Internetanschluss. In einem unserer Kurse sind alle Teilnehmer*innen über 60, da ist ein Online-Kurs schwer durchzuführen. Beim Spracherwerb ist es auch sehr wichtig Gestik und Mimik zu sehen und nachvollziehen zu können und die Aussprache gut zu hören. Das ist in Präsenz natürlich viel einfacher.

Die Ämterhilfe und Kursberatung finden momentan per E-Mail oder telefonisch statt. Nur in ganz dringenden Fällen lassen wir jemanden zu uns kommen und beraten unter Einhaltung strenger Hygieneregeln. Zusätzlich haben wir schon Mitte des letzten Jahres eine Corona-Hotline eingerichtet. Hier können sich Menschen, nicht nur auf Deutsch, sondern auch auf Arabisch und Türkisch, Informationen holen, nach Hilfen fragen (z.B. für Einkäufe oder der Anmeldung zum Impftermin) oder auch einfach melden, wenn Sie aufgrund eingeschränkter Kontakte jemanden zum Reden brauchen.

Die Corona-Pandemie hat uns auch in der Projektarbeit in vielen Bereichen einen Strich durch die Rechnung gemacht und die Arbeit erschwert. Bei unserem seit Anfang 2020 laufenden Anti-Radikalisierungs-Projekt „beVOR wir URTEILEn“ mussten wir oft improvisieren und vieles online durchführen. In diesem Rahmen wird in den nächsten Tagen ein Kunstwettbewerb mit dem Namen „Mitten im MIX – Die Mischung macht‘s“ starten. Alle Infos dazu gibt es dann natürlich auch online.


Das gemeinsame Team von Bildungsbüro und Medienzentrum PARABOL hat DEGRIN – Begegnung und Bildung in Vielfalt e.V. besucht und erkundet, welche innovativen Ideen hier in den letzten Monaten umgesetzt wurden. Hier geht’s zum Film


Titelbild: © Jana Michel.

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