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Herausforderungen für Jugendliche und Hilfsangebote an Schulen – Aktuelle Befunde des „Deutschen Schulbarometers“

Beitrag vom 31. März. 2025

Psychische Belastungen bei Kindern und Jugendlichen sind seit Jahren ein bedeutendes Thema. Die Ergebnisse des aktuellen Deutschen Schulbarometers zeigen, dass etwa ein Fünftel der jungen Menschen im Alter von acht bis 17 Jahren sich selbst als psychisch auffällig beschreibt. Besonders betroffen sind dabei Kinder aus Haushalten, in denen finanzielle Sorgen den Alltag prägen. Hier berichtet ein signifikanter Anteil von anhaltenden Belastungen. Auch die Auswirkungen von globalen Ereignissen sind spürbar. Beinahe 40 % der befragten Kinder und Jugendlichen machen sich häufig Sorgen über Kriege in der Welt, und ein Viertel der Befragten bedrücken Klima- und Umweltprobleme stark. Zukunftsängste spielen ebenfalls eine zentrale Rolle. Jeder Fünfte sorgt sich regelmäßig um seine persönliche Zukunft. Diese Zahlen verdeutlichen, dass psychische Belastungen eng mit familiären und gesellschaftlichen Kontexten verknüpft sind.

Die Sorgen der jungen Generation sind vielfältig, betreffen aber oft ähnliche Themen. Neben globalen Krisen und individuellen Zukunftsfragen belasten junge Menschen auch soziale Ungerechtigkeiten. Etwa 14 % der befragten Kinder und Jugendlichen sorgen sich oft darüber, dass Menschen in Deutschland aufgrund ihrer Herkunft oder Hautfarbe unfair behandelt werden. Ebenso machen finanzielle Sorgen der Familie vielen jungen Menschen zu schaffen. Kinder aus Haushalten, die von Armut bedroht sind, geben dies besonders häufig an. Solche Sorgen haben nicht nur Auswirkungen auf die emotionale Gesundheit, sondern beeinflussen auch das soziale Wohlbefinden und den schulischen Alltag.

Probleme in der Schule

Die Schule sollte ein sicherer Ort für Lernende sein, an dem sie sich sowohl kognitiv als auch sozial entfalten können. Doch manchmal ist das Gegenteil der Fall, wenn für einen Teil der Schülerinnen und Schüler die Schule zu einer Quelle von Stress und Belastung wird. 20 % der Lernenden berichten von einem geringen schulischen Wohlbefinden, während nur 8 % angeben, sich in der Schule wirklich wohlzufühlen. Besonders Schülerinnen und Schüler mit psychischen Auffälligkeiten sind stark betroffen – mehr als die Hälfte von ihnen berichtet über ein niedriges schulisches Wohlbefinden. Dabei spielt die Unterstützung durch Lehrkräfte eine wesentliche Rolle. Viele der befragten Schülerinnen und Schülern wünschen sich mehr konstruktives Feedback und auch mehr emotionale Unterstützung.

Ein weiteres Problem ist der Unterrichtsausfall, der sich ebenfalls negativ auf den Schulalltag auswirkt. Fast die Hälfte der Kinder und Jugendlichen erlebt regelmäßigen Unterrichtsausfall, wobei dies an weiterführenden Schulen häufiger der Fall ist als an Grundschulen. Auch der Mangel an regelmäßigen Gesprächsmöglichkeiten trägt dazu bei, dass Probleme ungelöst bleiben. Ein Drittel der Schülerinnen und Schüler gibt an, selten oder nie Klassenleitungsstunden zu haben, in denen sie schulbezogene Herausforderungen ansprechen könnten. Besonders ältere Schülerinnen und Schüler im Alter von 16 bis 17 Jahren berichten von fehlenden Möglichkeiten, sich in einem dafür vorgesehenen Rahmen auszutauschen.

Hilfsangebote durch Schulen

Schulen bieten verschiedene Unterstützungsstrukturen, um die Heranwachsenden bei der Bewältigung von Herausforderungen zu unterstützen. Laut der Erhebung wissen 70 % der Kinder und Jugendlichen, an wen sie sich in ihrer Schule bei emotionalen Problemen wenden können. 18 % wissen nur teilweise Bescheid und 13 % ist nicht bekannt, an wen sie sich wenden könnten. Besonders bei Schülerinnen und Schülern mit psychischen Auffälligkeiten ist die Informationslage schlechter – hier sind es lediglich 61 %, die angeben, zu wissen, wo sie Hilfe finden können.

Eltern wenden sich bei Problemen am häufigsten an Klassenlehrkräfte (70 %), gefolgt von der Schulsozialarbeit (39 %) und der Schulpsychologie (31 %). Dies unterstreicht, wie wichtig diese Strukturen sind, um Familien gut zu unterstützen.

Abbildung 1: Hilfesuchverhalten und Inanspruchnahme schulischer Hilfsangebote durch Eltern, April/Mai 2024

Quelle: Deutsches Schulbarometer 2024, S. 62.

Anmerkungen: Basis: Eltern, die in den letzten 12 Monaten versucht haben, aufgrund psychischer Probleme ihres Kindes innerhalb der Schule Hilfe zu erhalten (n = 166). Mehrfachnennungen für Suche und Erhalt von Hilfe möglich.

Die Schulsozialarbeit hat sich als zentraler Bestandteil der Unterstützung etabliert. Mit einem niedrigschwelligen Zugang ermöglichen Schulsozialarbeiterinnen und -arbeiter eine vertrauensvolle Anlaufstelle für die Schülerschaft, Eltern und Lehrkräfte. Sie bieten nicht nur emotionale Unterstützung, sondern begleiten auch bei der Bewältigung von Alltagsproblemen, Konflikten und Krisensituationen. Besonders wichtig ist die Fähigkeit der Schulsozialarbeit, Kinder und Jugendliche in ihrer sozialen und emotionalen Entwicklung zu stärken. Dies geschieht oft durch Maßnahmen wie soziale Trainings oder gezielte Einzelberatungen.

Auch die Schulpsychologie leistet einen wertvollen Beitrag, insbesondere durch individuelle Beratungen und die Entwicklung von Konzepten, damit betroffene Schülerinnen und Schüler besser mit den Herausforderungen umgehen zu können. Dabei ist es wichtig, ein offenes Klima zu schaffen, in dem die Kinder und Jugendlichen frei über ihre Gefühle sprechen können.

Die psychischen und sozialen Belastungen der Heranwachsenden sind bedenklich und erfordern eine gezielte Förderung innerhalb der Schulen. Schulsozialarbeit und Schulpsychologie spielen dabei eine zentrale Rolle. Sie bieten Unterstützung, Orientierung und Perspektiven für Schülerinnen und Schüler, die sich in einer zunehmend komplexen Welt zurechtfinden müssen.


Methodische Angaben zum „Deutschen Schulbarometer“

Das „Deutsche Schulbarometer“ stellt die Ergebnisse einer seit 2019 jährlich stattfindenden, repräsentativen Befragung zu aktuellen Themen an Deutschlands Schulen dar. Auftraggeber ist dabei die Robert Bosch Stiftung.

Das Deutsche Schulbarometer 2024 setzt sich aus drei Bestandteilen zusammen, die sich je auf Lehrkräfte, Eltern sowie Schülerinnen und Schülern fokussiert. Der vorliegende Blogbeitrag bezieht sich auf Ergebnisse der „Befragung Schüler:innen“.

Diese Befragung fand vom 26.04. und 20.05.2024 online unter einer bundesweit repräsentativen Stichprobe von 1.530 Schülerinnen und Schülern und je einer erziehungsberichtigten Person an allgemein- und berufsbildenden Schulen im Alter von 8 bis 17 Jahren statt.


Quelle:

Robert Bosch Stiftung (2024). Deutsches Schulbarometer: Befragung Schüler:innen. Ergebnisse von 8- bis 17-Jährigen und ihren Erziehungsberechtigten zu Wohlbefinden, Unterrichtsqualität und Hilfesuchverhalten. Robert Bosch Stiftung; online abrufbar unter: Deutsches Schulbarometer, Befragung Schüler:innen, 2024


Titelbild: © Robert Bosch Stiftung (2024). Deutsches Schulbarometer: Befragung Schüler:innen, S. 1 (Ausschnitt).

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