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PISA 2022 – Studienergebnisse und Empfehlungen für die kommunale Bildungsarbeit

Beitrag vom 21. Mrz. 2024

Die Bildungsforscherin Prof. Dr. Doris Lewalter von der TU München stellte bei der 27. Sitzung des Nürnberger Bildungsbeirats am 12. März 2023 in der Stadtbibliothek Nürnberg die wichtigsten Befunde der aktuellen PISA-Studie vor, welche aufgrund der gemessenen Kompetenzverschlechterungen derzeit für bildungspolitische Diskussionen sorgt. In ihrem Vortrag machte Lewalter deutlich, dass es sich bei PISA um keine lehrplanorientierte Studie handele. Vielmehr sollte untersucht werden, inwieweit die Schülerinnen und Schüler in der Lage sind, ihr Wissen aus verschiedenen Schulfächern auf neue alltagsbezogene Kontexte und Problemstellungen anzuwenden.

Deutliche Abnahme in den Kompetenzen in Mathematik, Naturwissenschaften und Lesen bei den 15-Jährigen

Die schulischen Leistungen der 15-Jährigen in Deutschland sind in den Bereichen Mathematik und Lesen internationalen Kontext seit der vorherigen Studie 2018 vergleichsweise stark gesunken und befinden sich nun im OECD-Vergleich auf durchschnittlichem Niveau. In den Naturwissenschaften liegen die Kompetenzen der deutschen Schülerinnen und Schüler weiterhin über dem OECD-Durchschnitt.

Die mittlere mathematische Kompetenz lag bei den Jungen in Deutschland – und in fast allen anderen OECD-Staaten – höher als bei den Mädchen. Gleichzeitig erreichten Mädchen hierzulande und in fast allen teilnehmenden OECD-Ländern höhere Mittelwerte in der Lesekompetenz als Jungen. Diese geschlechtsspezifischen Unterschiede zeigen sich schon lange, so Lewalter.

Der Anteil leistungsschwacher Schülerinnen und Schüler steigt

Mittels der PISA-Studie wird auch untersucht, inwieweit sich der Anteil sogenannter leistungsschwacher sowie leistungsstarker Schülerinnen und Schüler im Zeitvergleich verändert hat. Der Anteil der leistungsschwachen Schülerinnen und Schüler ist in Deutschland im Vergleich zur PISA-Studie 2018 in den drei Bereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften seit 2018 merklich gestiegen und beträgt in Mathematik rund 30 Prozent, im Lesen rund 26 Prozent und in den Naturwissenschaften rund 23 Prozent. Für die betreffenden Schülerinnen und Schüler wird davon ausgegangen, dass weitere Bildungsabschnitte nicht mehr ohne Unterstützung erfolgreich absolviert werden können, so Lewalter. Vor allem der Anteil der Leistungsschwachen nahm an nicht-gymnasialen Schularten zu (+12 Prozent), wie Lewalter ausführte.

Gleichzeitig sank der Anteil leistungsstarker Schülerinnen und Schüler in der mathematischen Kompetenz und in der Lesekompetenz in Deutschland im Zeitvergleich – in Mathematik auf knapp neun Prozent und im Lesen auf knapp acht Prozent. Im naturwissenschaftlichen Bereich blieb der Anteil leistungsstarker Jugendlicher mit zehn Prozent in etwa gleich groß.

Instrumentelle Motivation im Kompetenzbereich Mathematik nimmt ab

„Es gibt nicht den einen Problempunkt“, merkte Lewalter an, und fasste im folgenden wesentliche Befunde im Bereich der mathematischen Kompetenz zusammen. So habe die instrumentelle Motivation („Ich sehe, dass es mal gebraucht wird“) für Mathematik fortlaufend abgenommen, viele Schüler/-innen empfänden im Vergleich zu früheren PISA-Studien weniger Freude und Interesse an Mathematik. Außerdem habe die Ängstlichkeit gegenüber dem Fach Mathematik zugenommen. Die Schülerinnen und Schüler fühlten sich deutlich weniger von den Lehrkräften unterstützt und sähen einen geringeren Lebensweltbezug, so die Bildungsforscherin.

In Deutschland gibt es bei den Jugendlichen nach wie vor große Ungleichheiten im Kompetenzbereich Mathematik aufgrund von zuwanderungsbezogener und sozialer Herkunft. Wie die PISA-Studie belegt, hängt die mathematische Kompetenz der 15-Jährigen hierzulande deutlich mit dem sozio-ökonomischen beruflichen Status der Eltern zusammen. Im Hinblick auf den Zuwanderungshintergrund weisen vor allem zugewanderte Jugendliche der ersten Generation im Durchschnitt deutlich niedrigere Kompetenzen in Mathematik auf als Jugendliche ohne Zuwanderungshintergrund (PISA 2022 Zusammenfassung, S. 24). Allerdings benannte Lewalter auch den Befund, dass die Leitungen Jugendlicher aus der zweiten Generation von Zuwandererfamilien weniger abgesunken seien als die von Jugendlichen ohne Migrationshintergrund.

Empfehlungen für die kommunale Bildungsarbeit

Wie kann es gelingen, dem deutlichen Rückgang in der Kompetenzentwicklung bei vielen Schülerinnen und Schüler entgegen zu wirken und bestehende Ungleichheiten zu verringern? Lewalter benannte hierbei eine bedarfsorientierte Ressourcenzuwendung als wichtige Maßnahme und hob eine systematische bedarfsorientierte Förderung von Sprach- und Lesekompetenz von der frühkindlichen Bildung bis hin zum Sekundarbereich hervor. Wichtig sei vor allem eine bedarfsorientierte Ressourcenzuwendung für Schulen, die viele Kinder und Jugendliche aus sozioökonomisch benachteiligten Familien unterrichten. Als Beispiel wurde das geplante Startchancen-Programm benannt, welches gezielt Schulen mit einem hohen Anteil sozial benachteiligter Schülerinnen und Schüler unterstützt und den Bildungserfolg von der sozialen Herkunft entkoppeln soll. „Schulen in schwieriger Situation müssen so unterstützt werden, dass sie attraktive Orte für Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler werden“, betonte Lewalter. Weiterhin müsse sich Unterricht und Lehre weiterentwickeln: „Unterricht, der vor 10 Jahren super war, ist es heute vielleicht nicht mehr.“ Digitale Medien könnten dabei helfen, Schülerinnen und Schüler auch differenziert zu unterstützen.

In der sich anschließenden Diskussion mit den anwesenden Mitgliedern des Bildungsbeirats wurde mehrfach die zentrale Rolle der Sprachbildung, insbesondere die Förderung der Sprachkompetenz bereits vor dem Schuleintritt genannt. Auch der non-formale Bildungsbereich könnte hier stärker einbezogen werden. Kooperationen mit außerschulischen Partnern könnten positive Bildungserlebnisse ermöglichen und so auch der nachlassenden Motivation entgegensteuern.


Quellen:

Lewalter, Doris [Hrsg.]; Diedrich, Jennifer [Hrsg.]; Goldhammer, Frank [Hrsg.]; Köller, Olaf [Hrsg.]; Reiss, Kristina [Hrsg.]: PISA 2022. Analyse der Bildungsergebnisse in Deutschland. Münster ; New York: Waxmann 2023.

Bundesministerium für Bildung und Forschung, Pressemitteilung vom 5.12.2023,84/2023, PISA 2022-Ergebnisse vorgestellt, online abrufbar unter: www.bmbf.de/bmbf/shareddocs/pressemitteilungen/de/2023/12/051223-PISA.html

Bundesministerium für Bildung und Forschung, Startchancen-Programm, online abrufbar unter: www.bmbf.de/bmbf/de/bildung/startchancen/startchancen-programm.html


Bildnachweis: © Rudi Ott.

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