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Menschenrechtsbildung in Nürnberg

Beitrag vom 27. Sep. 2023

Nürnberg bezeichnet sich als Stadt des Friedens und der Menschenrechte. Entsprechend gibt es in Nürnberg zahlreiche Einrichtungen, Initiativen und Aktionen im Zeichen der Menschenrechte und auch der Menschenrechtsbildung. Zu nennen ist hier aktuell die Verleihung des Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreises, die am 24. September 2023 in Nürnberg stattfand. Die Kommune zeichnete mit dem Preis, der seit 1995 vergeben wird, Malcolm Bidali aus Kenia für seinen Einsatz gegen die Ausbeutung von immigrierten Arbeitskräften in Katar aus.

Bidali arbeitete selbst von 2018 bis 2021 in Katar und engagiert sich seither für bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen in dem Emirat. Die Preisverleihung war auch in diesem Jahr eingebettet in ein Bildungs- und Veranstaltungsprogramm mit Lesung, Podiumsdiskussion, Fachkonferenz und Theater.

Seit zwanzig Jahren koordiniert das Menschenrechtsbüro die Menschenrechtsaktivitäten in der Stadt und führt darüber hinaus auch eigene Maßnahmen der Menschenrechtsbildung durch. Abbildung 1 zeigt die Menschenrechtsseminare, die das Menschenrechtsbüro im Jahr 2022 durchführte und an denen insgesamt 2.614 Personen teilnahmen.

Abbildung 1: Teilnehmer/-innen an Maßnahmen des Menschenrechtsbüros zur Menschenrechtsbildung, 2022

Quelle: Stadt Nürnberg, Menschenrechtsbüro.
Anmerkungen:  Unter die Kategorie “Sonstige Veranstaltungen” fallen Menschenrechtsseminare in der Altenpflege, Workshops zur Menschenrechtspreisträgerin, Seminare zum Rechtsterrorismus und Seminare zu den 17 Zielen für Nachhaltige Entwicklung.

Die allgemeinen Menschenrechtsseminare, die auch eine Exkursion in die Straße der Menschenrechte beinhalten, wurden 2022 hauptsächlich von Schulklassen gebucht.  Neben den allgemeinen Seminaren für unterschiedlichste Gruppen sind Auszubildende der Stadtverwaltung eine wichtige Zielgruppe, die 2022 194 Teilnehmerinnen und Teilnehmer umfasste. Das Seminar „Diskriminierungsfrei in Nürnberg“ besteht aus mehreren zielgruppenspezifischen Baukastenmodulen, die von jungen Menschen im freiwilligen sozialen Jahr, Auszubildenden, anderen Jugendgruppen sowie Integrations- und Schulklassen in Anspruch genommen werden; 2022 wurde das Seminar von 211 Teilnehmerinnen und Teilnehmern besucht. Neben diesen größtenteils im Rathaus durchgeführten Maßnahmen erreichte das Menschenrechtsbüro im Jahr 2022 812 Personen in Menschenrechtsseminaren zum Thema Nationalsozialismus, die im Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände und im Memorium Nürnberger Prozesse durchgeführt wurden.

Nicht nur die pädagogischen Angebote des Menschenrechtsbüros nutzen das politische Kunstwerk der Straße der Menschenrechte als Ort der Auseinandersetzung mit ihren Inhalten. Daneben existieren weitere Lernorte im Kontext Menschenrechtsbildung im öffentlichen Raum. In der Straße der Kinderrechte sind einzelne Artikel der UN-Kinderrechtskonvention im Stadtpark verankert. Die einzelnen Kinderrechte werden in Spielstationen und Skulpturen spielerisch erfahrbar gemacht. Inzwischen hat sich die Straße der Kinderrechte als fester außerschulischer Lernort etabliert und wird regelmäßig von Schulklassen und Hort-Gruppen besucht, ebenso wie von Kindern und Erwachsenen in ihrer Freizeit. Außerdem bieten einige Träger non-formaler Bildung Führungenan. Allein DoKuPäd machte von 2012 bis einschließlich 2022 Rundgänge durch die Straße der Kinderrechte mit insgesamt 3.211 Personen.

Alle zwei Jahre findet das Nürnberger Internationale Menschenrechtsfilmfestival (27.9. bis 4.10.23) statt. Die Vorführungen beleuchten historische und aktuelle Menschenrechtsfragen und liefern damit wichtige Impulse für die pädagogische Menschenrechtsarbeit vor Ort. In diesem Kontext wird auch der Menschenrechts-Filmpreis verliehen. Das Projekt „Open Eyes“ (25.9. bis 6.10.23) gehört organisatorisch zum Menschenrechtsfilmfestival und knüpft daran inhaltlich an, indem es Schulklassen über eine zielgruppengerechte Filmauswahl einen niederschwelligen Zugang zur Auseinandersetzung mit dem Thema bietet. Im Jahr 2022 verzeichnete das Schulprojekt 1.285 Schülerinnen und Schüler aus sechs Mittelschulen, drei Realschulen, zwei Montessorischulen, einer Wirtschaftsschule, acht Gymnasien und sieben beruflichen Schulen. Über die Streamingplattform „kino 3“ des Filmhauses Nürnberg nahmen 191 Schülerinnen und Schüler (15,9% aller Teilnehmenden) online an dem Projekt teil.  

An der Scharrerschule gehört die Menschenrechtsbildung seit dem Jahr 2011 zum Programm. Schon seit 2009 läuft an der Scharrer-Mittelschule das Projekt „Kickfair für Menschenrechte“, bei dem Schülerinnen und Schüler, die vermehrt aus bildungsfernen Familien stammen, zu sogenannten Teamer/-innen ausgebildet werden und Verantwortung übernehmen. Durch das Fußballprojekt hat sich in Schule und Stadtteil eine Straßenfußballkultur entwickelt, bei der Fairness ebenso über das Spielergebnis entscheidet wie Tore. Die Gruppe der Teamerinnen und Teamer besteht jedes Schuljahr aus 35 bis 40 Schülerinnen und Schülern aus den Klassenstufen 6 bis 10. Die ausgebildeten Teamer/-innen erreichen etwa 450 Kinder.


Quellen:

Kreisjugendring Nürnberg-Stadt / DokuPäd.

Scharrer-Mittelschule, Nürnberg.

Stadt Nürnberg, Filmhauskino im KunstKulturQuartier.

Stadt Nürnberg, Stabsstelle Menschenrechtsbüro und Frauenbeauftragte.

Titelbild: © Stadt Nürnberg.

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