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Schule und Digitalisierung

Beitrag vom 3. Aug 2020

Ohne Zweifel hat die Digitalisierung der Schulbildung infolge der Corona-bedingten Schulschließungen in Bayern ab dem 16. März 2020 an besonderer Bedeutung gewonnen und auch einen Schub erfahren. Dass der digitale Unterricht für alle Beteiligten eine Herausforderung darstellt, ist unbestritten. Der aktuellste Nationale Bildungsbericht beschreibt die Komplexität, die die Digitalisierung des Unterrichts mit sich bringt. Der Einsatz digitaler Medien sei bisher, so der Bericht, eher als Hilfsmittel zur Vermittlung von Informationen und weniger zur Unterrichtung und zum Austausch von Lerninhalten genutzt worden. Auch sei eine ausreichende technische Infrastruktur zwar eine zentrale Voraussetzung für die Verwendung digitaler Medien, der Zugang zu diesen sei jedoch auch von Merkmalen, wie der sozialen Herkunft, abhängig. Weiter hänge der Erfolg des Einsatzes vor allem von einem didaktisch sinnvollen und kritisch reflektierten Einsatz digitaler Technologien ab. Digitalisierungsbezogene Inhalte spielten in der Aus- und Fortbildung des pädagogischen Personals aber bislang eher eine untergeordnete Rolle, so der Nationale Bildungsbericht. Erschienen ist der Bericht im Juni dieses Jahres und bezieht sich in seiner Datenbasis auf die „Vor-Corona-Zeit“.

In Zeiten von (partiellen) Schulschließungen stellen die digitalen Technologien eine der wenigen Möglichkeiten dar, um Kontakt von Lehrkräften und Schülerinnen und Schüler herzustellen und Unterricht stattfinden zu lassen. Zielten bisherige Medienkonzepte und -strategien eher auf die Ausstattung der Schulen mit technischen Geräten für den unterrichtsbegleitenden Betrieb vor Ort ab, ging es plötzlich um die Nutzung digitaler Technik, um Distanz zu überwinden. Entsprechende Hardware und Software für Schülerinnen und Schüler für den Gebrauch zuhause gerieten in den Fokus, ebenso die Nutzungsmöglichkeiten von WLAN und Druckern.

Laut der Darstellung im Nationalen Bildungsbericht zur Verfügbarkeit technischer Geräte bei den Jugendlichen in Deutschland, sind für den Fernunterricht geeignete Gerätschaften, wie PC oder Tablet, nicht für alle verfügbar. Unterschiede zeigen sich nach Geschlecht, Alter und besuchter Schulart. Demnach verfügen Mädchen, Jüngere und Schülerinnen und Schüler von Mittel- und Realschulen im geringeren Maße über PCs.

Verfügbarkeit von Informations- und Kommunikationstechnik 12- bis 19-jähriger Jugendlicher 2018 nach Geschlecht und Altersgruppen (in %)

1) Angaben der Hauperzieherinnen und Haupterzieher.
Quelle: Autorengruppe Bildungsberichterstattung (Hrsg.) (2020). Bildung in Deutschland 2020. Ein indikatorengestützter Bericht mit einer Analyse zu Bildung in einer digitalisierten Welt. Bielefeld: W. Bertelsmann; Sachdaten: mpfs, JIM-Studie; eigene Darstellung, Auszug der Originaltabelle.

Auch die technische Ausstattung der Lehrkräfte musste berücksichtigt werden und deren Qualifizierung im Umgang mit Lern-Management-Programmen.

Durch das Team Digitale Schule reagierte die Stadt Nürnberg auf die Situation. Während der letzten Monate schulte das städtische Institut für Pädagogik und Schulpsychologie Nürnberg (IPSN) insgesamt über 2000 Lehrkräfte. Hier ging es vor allem um den technischen Umgang mit der Software Microsoft Teams, die allen Schulen als digitales Kommunikationsinstrument zur Verfügung gestellt wurde. Um den Zugang für alle Kinder und Jugendlichen zur schulischen Bildung zu ermöglichen, wurden durch die Stadt Nürnberg zudem bislang etwa 300 mobile Leihgeräte zur Verfügung gestellt. Bis Ende des Jahres werden in Nürnberg aus den Sondermitteln des Bundes über die Bayerische Staatsregierung insgesamt 6000 Tablets beschafft. Momentan laufen Bedarfsabfragungen über die Schulen. In den Schulen, die sich bis zum 30. Juni an der Abfrage beteiligt hatten, benötigen etwa 16 % der Schülerschaft ein Leihgerät. Zwischen den Schularten zeichnen sich Unterschiede ab: In den Gymnasien ist demnach der Bedarf niedriger, in den Mittelschulen, wo bis zu einem Drittel der Schülerinnen und Schüler ein digitales Endgerät benötigen, höher.

Für das anstehende Schuljahr ist der Regelbetrieb, also Präsenzunterricht für alle Schülerinnen und Schüler unter Einhaltung von Hygienevorschriften vorgesehen. Abhängig vom örtlichen Infektionsgeschehen zieht das Kultusministerium auch andere Szenarien in Erwägung. Darunter fallen partielle Schulschließungen bei denen Präsenz- und Distanzunterricht Hand in Hand gingen. Hier wäre die digitale Ausstattung von besonderer Bedeutung, damit Lehrkräfte technisch ausgestattet, aber auch didaktisch-pädagogisch geschult in direkten Austausch mit den Schülerinnen und Schülern treten können. Unabhängig von engagierten Lehrkräften, der Schulart oder Schule sollen Schülerinnen und Schüler gleich welcher sozialen Herkunft und – vor allem im Fall von Geflüchteten – der Wohn- und Ausstattungssituation, ihr Recht auf Bildung wahrnehmen können.

Titelfoto: © Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V. | Ort: zdi-Schülerlabor coolMINT.paderborn; Bildausschnitt.

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